Edutest – Gruppenleitung leicht gemacht

Wenn man Minetest mit Gruppen einsetzt, ist es hilfreich, bestimmte Befehle auf alle Schüler oder Gruppenmitglieder gleichzeitig anwenden zu können. Schon früh ist für Minecraft unter der Überschrift “MinecraftEdu” eine Vielzahl von Anpassungen und Erweiterungen entstanden, die in pädagogischen Szenarien hilfreich sind (vgl. https://wiki.education.minecraft.net) . Seit Minecraft von Microsoft übernommen wurde ist die freie Entwicklung, die wesentlich durch Lehrer/innen getragen wurde, leider weitgehend eingeschlafen. Microsoft pflegt nun selbst eine MinecraftEdu-Version, die allerdings nicht ohne Weiteres frei anpassbar ist (https://education.minecraft.net) .

Zum Glück gibt es für Minetest nun seit einiger Zeit eine Mod, die ähnliches leistet: die bequeme Administration von (Schüler-)Gruppen über eine graphische Oberfläche. Chatbefehle (wie /status o.ä.) sind schließlich nicht jedermanns Ding, obwohl man ganz ohne sie wohl nie auskommen wird. Da ich selbst lange gebraucht habe, edutest zum Laufen zu bringen, hier eine hoffentlich gut verständliche Einführung.

Zum Hintergrund: Minetest4edu

Heiko Idensen sammelt unter https://github.com/minetest4edu/ schon länger Anleitungen und Mods für Bildungszwecke. Er arbeitet als Medienpädagoge bei der Lernoase Vahrenwald (vgl. https://www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Freizeit-Sport/Freizeiteinrichtungen/Freizeitheime-Stadtteilzentren/Freizeitheim-Vahrenwald/Lernoase) und hat die Entwicklung von Edutest mit angestoßen. Beim OER-Festival 2017 hielt er einen interessanten Vortrag über MinetestEDU:

Eines seiner Projekt ist z. B. der Nachbau der antiken Stadt Palmyra in Minetest (Video dazu hier: https://youtu.be/ascvgucNRZc).

Edutest installieren

Edutest ist eine Mod und muss wie alle Mods installiert und in den Welteinstellungen aktiviert werden (siehe Mods / Modifikationen installieren ). Programmiert wird Edutest von Isidor Zeuner, der auf github alles bereitstellt:  https://github.com/zeuner/edutest. Wie üblich kann man jedes github-Repository als Zip-Datei herunterladen (grünes Feld “clone or download” – dann rechts unten “download ZIP”), die man dann im Unterordner “mods” entpacken muss (Direkter Download der Zip-Datei).

Achtung: Wenn man im Dateimanager bei der ZIP-Datei mit rechtem Mausklick “alle extrahieren” wählt, muss man den Text bis zum letzten “\” löschen, weil sonst eine Verzeichnisebene zu viel erstellt wird.

Damit Edutest funktioniert, muss man zwei weitere Mods installieren und aktivieren:

Richtig sinnvoll wird Edutest erst mit weiteren Möglichkeiten, die bereitgestellt werden durch:

  • freeze (https://github.com/PenguinDad/freeze): Schüler/innen einfrieren und auftauen, wer wünscht sich das manchmal nicht auch heimlich für das echte Leben …
  • pvpplus (https://github.com/MT-Eurythmia/pvpplus): Ermöglicht es, dass Schüler gegeneinander kämpfen und sich töten können (player versus player). Dies funktioniert aber nur, wenn beide Schüler pvp aktiviert haben. Mit Edutest kann man das dann freigeben, eine extrem praktische Funktion, weil miteinander kämpfen einerseits attraktiv ist, andererseits aber weniger erfahrene Schüler dann schnell zu Opfern werden und den Spaß verlieren. Miteinander kämpfen und einander Schaden zufügen geht also nur, wenn beide einverstanden sind oder wenn der Lehrer den Schaden für beide freigegeben hat; auch das wünscht man sich für das normale Leben.
  • intllib (https://github.com/minetest-mods/intllib): Ermöglicht Umlaute und Sprachanpassungen.
  • invis (https://github.com/octacian/minetest-mod-invis): Ermöglicht es, sich oder andere unsichtbar zu machen. Das ist sinnvoll, wenn man schauen will, was Schüler machen, ohne dass man sie dadurch ablenkt.
  • areas (https://github.com/ShadowNinja/areas): Ermöglicht den Schutz bestimmter Gebiete, in denen dann nur noch Eigentümer bauen dürfen.

Servereinstellungen

Damit Edutest funktioniert, muss die Rolleneinteilung klar sein. Schließlich weiß Minetest nicht ohne Weiteres, wer Lehrerin ist und wer Schüler. Hier bin ich anfangs immer gescheitert, weil ich nicht verstanden habe, dass nicht alle Spieler auf einem Server von den Befehlen erfasst werden, sondern nur die “students”. Die Rolle wird vergeben, indem ein Privileg erteilt wird (vgl. https://wiki.minetest.net/Server_commands#Privilege_manipulation).

Da der Admin automatisch alle Privilegien hat und sich auch keine entziehen kann, ist es hilfreich, einen zweiten Spieler als Lehrer (“teacher”) anzulegen, der dann nicht gleichzeitig Schüler (“student”) ist. Nur so ist es möglich, dass der Lehrer alle Schüler einfriert und sich selbst weiter bewegen und bauen kann. Den Admin kann man ja unsichtbar schalten, dann stört er nicht mehr. Alternativ kann man Minetest natürlich auch als Server ohne Spieler-Admin starten. Das geht von der Windows-Kommandozeile aus (Windows-Taste drücken, cmd eingeben und Enter drücken), indem man “minetest.exe –server” aus dem richtigen Verzeichnis heraus eingibt. Dann kann man sich mit einem Nutzer auf dem eigenen Rechner einloggen, indem man den Server 127.0.0.1 eingibt mit dem Standard-Port 300000. Die Rechte dieses Nutzers kann man dann manuell in der Datei “auth.txt” verändern, die sich im world-Verzeichnes der entsprechenden Welt befindet.

Folgende Chat-Befehle sind hilfreich für die Vergabe der Rollen und Privilegien:

  • /privs  : zeigt die eigenen Privilegien an
  • /privs SPIELERNAME : zeigt die Privilegien von SPIELERNAME an
  • /grant SPIELERNAME PRIVILEG : Erteilt SPIELERNAME eine bestimmtes Privileg
  • /grant SPIELERNAME student : Macht SPIELERNAME zum student = Schüler.
  • /grant SPIELERNAME teacher : Macht SPIELERNAME zum Lehrer mit der Berechtigung, Schüler über Edutest zu administrieren.

Sinnvolle Server-Voreinstellungen:

Damit man nicht jedem Schüler, der auf den eigenen Server kommt, das student-Privileg einzeln erteilen muss, ist es sinnvoll, die Datei minetest.conf zu bearbeiten und dort in einer Liste mit Standardrechten student zu ergänzen bzw. die Zeile anzulegen. Die Datei minetest.conf liegt im Hauptverzeichnis von Minetest. Alternativ kann man diese Einstellung auch in die Datei world.mt schreiben, damit sie nur für diese spezielle Welt gilt. So könnte die Zeile aussehen:

default_privs = interact, shout, fast, home, zoom, student

(Bedeutung: interact = Baurecht, shout = Rederecht im Chat, fast = Recht auf schnelle Bewegung, home = Recht, mit /sethome sein Zuhause festzulegen und mit /home dorthin zu kommen, zoom = Recht, mit “z” mit einer  Art Fernrohr Details in der Ferne zu erkennen; student = Rolleneinteilung als Schüler)

Wenn man einen Online-Server vorbereitet und verhindern will, dass zufällig jemand diesen Server findet und etwas zerstört oder dass Schüler/innen Mist bauen, bevor sie die Anweisungen verstanden haben, macht es Sinn, das interact-Recht per Edutest-Mod zu vergeben. Dafür muss man dann im Menü auf Einfrieren klicken und anschließend für alle Schüler auf “Auftauen”. Damit wird schlicht das interact-Recht vergeben. Die Standardrechte sehen dann so aus:

default_privs = shout, fast, home, zoom, student

Benutzung

Wenn alles richtig installiert ist, erscheint im Inventar (einmal “i” drücken) ein schöner Doktorhut.

Dann wird folgendes Menü mit verschiedenen Schaltflächen sichtbar:

Die Funktionen sind weitgehend selbsterklärend und hängen u. U. von den optional installierten Mods ab. Schön ist, dass man Teleportationen inzwischen wieder rückgängig machen kann und Schüler nach einer gemeinsamen Besprechung oder Besichtigung an einem Ort schnell wieder zu ihren verschiedenen Orten und Bauwerken zurückschicken kann.

Bei “Messaging” kann man Schülern das shout-Privileg entziehen, also die Erlaubnis, den Gruppenchat zu nutzen oder mit /msg private Nachrichten an andere Schüler zu schicken. Das Einfrieren lässt einem netterweise noch das Rederecht.

Was mir bisher nicht so gut gefällt, ist der Gebietsschutz. Hier kann man zwar Ecken markieren, aber der eigentliche Schutz funktioniert über die Mod “areas” dann doch wieder mit Textbefehlen. Dafür ist der Marker-Mod die wesentlich ausgereiftere Alternative (https://github.com/Sokomine/markers), die es erlaubt, Marker-Stangen zu setzen und anzuklicken, um Gebiete zu schützen.

Um wieder in das normale Inventar zu kommen, muss man einmal “Zurück” anklicken.

Ideen für die Weiterentwicklung

Edutest ist noch nicht zu Ende entwickelt. Viele praktische Ideen und Wünsche sind bereits hier zusammengestellt, die Liste kann gern erweitert werden: https://zumpad.zum.de/p/MinetestEdu-Features. Wenn der Entwickler positives Feedback und weitere Anfragen bekommt, wird er hoffentlich weitere Funktionen einbauen.

Fazit

Edutest ist inzwischen so ausgereift, dass man mit größeren Gruppen nicht mehr darauf verzichten möchte. Kleinere Hakeligkeiten sollten noch entfernt werden, dann können auch Minecraft-Edu-Gurus beruhigt auf das Open-Source-Open-World-Spiel umsteigen.