Hoffnung f√ľr Pal√§stina?

Rz-Farhat-NaserSumaya Farhat-Naser: Im Schatten des Feigenbaums.
Herausgegeben von Willi Herzig und Chudi B√ľrgi.
Basel: Lenos 2013, 223 S.
— ISBN 978-3-85787-436-9 —

Die bekannte christlich-pal√§stinensische Friedens- und Menschenrechtsaktivistin besuchte die Internatsschule deutscher Diakonissen nahe Bethlehem. Danach studierte sie an der Universit√§t Hamburg Biologie, wurde vom Evangelischen Studienwerk Villigst gef√∂rdert und promovierte in Botanik. Sp√§ter als Dozentin an der pal√§stinensischen Universit√§t Bir Zait (Bir Zeit) und Leiterin des pal√§stinensischen Jerusalem Center for Women ist sie heute in Projekten f√ľr Frauen engagiert, um eine L√∂sung des israelisch-pal√§stinensischen Konfliktes herbeizuf√ľhren. Denn: ¬ĽUnser Land wird uns systematisch weggenommen¬ę.
Diese Aussage √ľber israelischen Landraub im pal√§stinensischen Westjordanland, die in Europa kaum wahrgenommen wird, belegt sie in ihrem neuen Buch.

Nach ¬ęThymian und Steine¬Ľ (1995), ¬ęVerwurzelt im Land der Olivenb√§ume¬Ľ (2005) und ¬ęDisteln im Weinberg¬Ľ (2007) ist dies der vierte Band ihrer pers√∂nlichen Autobiografie, die gleichzeitig eine ¬ęAutobiografie¬Ľ Pal√§stinas darstellt. Der Zeitraum vom 1. Januar 2008 bis zum 23. April 2013, erg√§nzt durch eine kurze Chronologie von 1896 bis 2013, wird sehr gut geschildert: Sie beschreibt, wie israelische Siedler Weinberge, Olivenhaine, Felder zerst√∂ren und Wasserquellen rauben ‚Äď unter dem Schutz der israelischen Armee. Dennoch lehrt sie engagiert gewaltfreie Kommunikation und den Umgang mit Konflikten. Entt√§uscht ist sie √ľber die Neigung, berechtigte Kritik an Israel kleinzureden. Doch der Feigenbaum sei ¬Ľein Zeichen f√ľr Frieden, Sicherheit und Lebensgl√ľck¬ę trotz Entrechtung der Pal√§stinenser in ihrer Heimat sowie im Blick auf nachhaltige Perspektiven f√ľr Israel und Pal√§stina.

Der Jerusalemsverein und das Berliner Missionswerk unterst√ľtzen seit drei Jahrzehnten ihre Friedensarbeit. In seiner Predigt am 15. Dezember 2013 in der Erl√∂serkirche, Jerusalem, sagte Nikolaus Schneider: ‚ÄěAuch wir leiden daran, dass trotz Jesu Ankunft, damals vor mehr als zwei Jahrtausenden, in unserer Welt noch immer so viele Tr√§nen geweint werden m√ľssen, noch immer so viel Blut gewaltsam vergossen wird, noch immer die W√ľrde so vieler Menschen verletzt und gesch√§ndet wird.‚Äú Auch nach fast zweitausend Jahren Kirchengeschichte warteten wir darauf, ¬Ľdass G√ľte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich k√ľssen, dass Treue auf Erden wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue¬ę.

                                                                                                                                            Prof. Dr. Eckhard Freyer, Bonn/Merseburg

Rz-Farhat-Naser-Freyer, 30.12.13    Creative Commons-Lizenz

 

Die Arabische Welt im Umbruch

Rz-Pott-arab-SeeleMarcel Pott : Der Kampf um die arabische Seele.
Der steinige Weg zur islamischen Demokratie.
K√∂ln: Kiepenheuer & Witsch, K√∂ln 2012, 208 S. (mit einem kleinen Islam-Glossar, S. 194), zugleich bpb Schriftenreihe Bd. 1359 –— ISBN: 978-3-462-04407-2 —

Der Journalist und Autor Marcel Pott hat sich als Nahost-Experte durch seine Recherchen, Dokumentationen und Ver√∂ffentlichungen als kompetenter Berichterstatter und Kommentator erwiesen. Er schreibt: “Der arabische Fr√ľhling war kurz, doch er hat viele Fragen aufgeworfen, auf die es noch keine Antworten gibt.”

F√ľr den Verfasser entscheidet sich vor allem in √Ągypten mit 85 Millionen Menschen, das Ursprungsland der Muslimbruderschaft (S. 62 ff), wohin die Reise der arabischen V√∂lker in der Zukunft geht.

F√ľr den Verfasser entscheidet sich vor allem in √Ągypten mit 85 Millionen Menschen, das Ursprungsland der Muslimbruderschaft (S. 62 ff), wohin die Reise der arabischen V√∂lker in der Zukunft geht. Besonders interessant sind bereits seine Bemerkungen zu Heliopolis, wo Macht und Reichtum aufeinandertreffen (S. 13).

Analysen der √§gyptischen nach-revolution√§ren Gesellschaft und Politik bis zur Pr√§sidentschaftswahl in √Ągypten im Juli 2012 und Konflikte zwischen s√§kularen und religi√∂sen Kr√§ften und die Rolle des Milit√§rs sind auch nach dem Sturz des Pr√§sidenten Mohammed Mursi relevant. Dazu blickt er in diesem Buch auf Entwicklungen in Libyen und Syrien, in Tunesien. K√∂nnte letzteres ein Musterbeispiel f√ľr eine islamische Demokratie (S. 122 ff.) und damit Modell der gesamten arabischen Welt sein? Denn vom Atlantik bis zum Arabischen Meer ist die arabische Welt im Umbruch (S. 136 ff.).

Nun will offensichtlich Saudi-Arabien eine Union der Monarchien (S. 149), und Libyen bleibt ein Sonderfall (S.154).

Ganz aktuell ist das Kapitel: Die syrische Tragödie: Freiheitskampf oder Religionskrieg (S.162 ff.): Die Machthaber um Assad bilden immer noch einen Machtfaktor, von oppositionellen Gruppen (insbesondere islamisch und islamistisch orientierten) bedrängt. Zusätzlich wirken die auswärtigen Mächte hinein, und zwar durch die gegensätzlichen Interessen von Saudi-Arabien und dem Iran, verstärkt durch den Machtkampf zwischen den USA und Russland im Blick auf die Einflussnahme im Nahen Osten.

Der Kampf um die arabische Seele und eine neue soziokulturelle Identität sowie eine Neubestimmung des politischen Islams beginnt. Die Entwicklungen zu einem demokratischeren System erscheinen fraglich. Wahrscheinlich werden die Unruhen noch länger andauern.

Das Buch ist generell ein neutraler und gut lesbarer Einstieg in die Entwicklungen im arabischen Raum seit 2011.

Prof. Dr. Eckhard Freyer, Hochschule Merseburg

 

Rz-Pott-arab-Seele-Freyer, 29.12.13   Creative Commons-Lizenz

 

Arabische Welt und Arabischer Fr√ľhling

 Rz-Schneiders-Araber                                                                   

Die vielf√§ltigen, dramatischen Ereignisse in der arabischen Welt in einen Zusammenhang zu bringen, ist eine nicht leichte Aufgabe, weil den westlichen LeserInnen oft nicht gen√ľgend Hintergrundinformationen und sachkompetente Einsch√§tzungen zur Verf√ľgung stehen. Die beiden hier vorgestellten B√ľcher √ľber die Araber im 21. Jahrhundert und den Arabischen Fr√ľhling versuchen, dieses Defizit abzubauen. Im Rahmen des Seminars Vielfalt des Islams ‚Äď Traditionen und Entwicklungen an der TU Dortmund im Wintersemester 2013/14 diskutierten die Studierenden u.a. die beiden genannten Titel. Daraus entstanden auch zwei Rezensionen, die die vielf√§ltigen sachkundigen Informationen ansprechen. Der Islam- und Politikwissenschaftler Thorsten Gerald Schneiders hat diese beiden B√§nde zusammen mit kompetenten Fachautoren ver√∂ffentlicht: 

Thorsten Gerald Schneiders (Hg.):

1.  Die Araber im 21. Jahrhundert. Politik, Gesellschaft, Kultur.
Wiesbaden: Springer Fachmedien 2013, 443 S., Abb., Tabellen — ISBN 978-3-531-19093-8 —

2.  Der Arabische Fr√ľhling. Hintergr√ľnde und Analysen.
Wiesbaden: Springer Fachmedien 2013, VII, 302 S., Abb.
— ISBN 978-3-658-01173-4 —
      

Islam und interreligiöses Lernen

Rz-Islam-bpbBundeszentrale f√ľr politische Bildung (Hg.): Islam. Politische Bildung und Interreligi√∂ses Lernen.
Arbeitshilfen f√ľr die politische Bildung.
Bonn 2002-2006, 8 Module (in 5 Material-Lieferungen), mit dem vollständigen Bild- und Textmaterial auf CDs.
Wissenschaftliches Autorenteam
‚Äď Projektleitung: Wolfgang B√∂ge, J√∂rg Bohne;
f√ľr die bpb: Franz Kiefer (verantwortlich)

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Seit mehr als sechzig Jahren hat die Bundeszentrale f√ľr politische Bildung das Anliegen, den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Glaubensrichtungen zu erm√∂glichen. Dabei dient die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen vor allem dazu, um Vorurteile abzubauen, damit Verst√§ndigung und ein interreligi√∂ser Dialog √ľberhaupt stattfinden kann. Das gestellte Material zum Islam von der bpb ist √ľbersichtlich und strukturiert aufgebaut. Durch einleitende Kommentare oder orientierende Briefe wird der Leser mit den Intentionen der Autoren vertraut gemacht, so dass ein Einstieg in die Thematik leichter gelingt. Die Inhalte √ľberzeugen durch Vollst√§ndigkeit und umfangreiche Zusatzinformationen, sowie detaillierte Definitionen von eher unbekannten Begriffen aus dem Islam. Neben diesen Definitionen werden auch Karikaturen und Bilder abgedruckt, so dass man zwischen verschiedenen Zug√§ngen zur Thematik w√§hlen kann. Besonders gut eignen sich die Materialhefte und die CDs als Nachschlagewerk f√ľr Lehrer- und Lehrerinnen sowie an Religion interessierte Menschen.

Die Materialien sind nach Jahrgangsstufen sortiert und erm√∂glichen so eine unkomplizierte Art der Unterrichtsvorbereitung. Zusammenfassend kann man festhalten, dass die reichhaltigen Materialhefte und CDs zum Islam eine wirklich gelungene Informationsquelle sowie ein Nachschlagewerk f√ľr (angehende) Lehrer/innen ist. Neben den f√§cher√ľbergreifenden Themen √ľberzeugen die Inhalte zudem mit ziemlicher Vollst√§ndigkeit und √ľbersichtlicher Klarheit.

Katja Niederbiermann
im Rahmen des Seminars Vielfalt des Islam
im Wintersemester 2013/2014 an der TU Dortmund

TU-DO/WiSe 2013/2014/Rz-Islam-bpb, 03.12.13    Creative Commons-Lizenz

 

 

 

 

 

 


[1]    Im Folgenden bpb genannt.

[2]¬†¬† Thomas Kr√ľger,CD 1, Vorwort S.3

[3]   CD 1, S. 12

[4]   CD 1, S. 14

[5]   CD 1, S. 52

[6]   CD 2, Vorwort an die Kollegen und Kolleginnen, S. 88

[7]   Materialien zu finden unter http://www.bpb.de/shop/

Religionsmonitor 2013 – Studie: “Religiosit√§t im internationalen Vergleich”

Rz-Religionsmonitor-internationalDer Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung 2013 hat im Fr√ľhjahr erhebliche Beachtung und Diskussionen ausgel√∂st. 
Das gilt f√ľr den Bereich: “Religiosit√§t und Zusammenhalt in Deutschland“.
(vgl. Besprechung in den “Ein-Sichten” vom  25.06.2013).

Der k√ľrzlich vorgelegte Teil √ľber Religiosit√§t im internationalen Vergleich” d√ľrfte eine √§hnliche Wirkung zeigen.
Der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel hat die Auswertung vorgenommen.

Hier der gesamte Text zum Download

Das MIGAZIN, Fachmagazin f√ľr Migration und Integration in Deutschland (25.06.2013) hat eine √ľbersichtliche Beschreibung und differenzierte Bewertung vorgelegt. Sie zeigt, dass bei den L√§nderuntersuchungen Religiosit√§t in Europa kontinuierlich abnimmt (mit einigen typischen L√§nderabweichungen), aber au√üerhalb Europas eine gesellschaftlich entscheidende Rolle spielt. Dabei ist in Europa insgesamt ein recht entspanntes Verh√§ltnis zu Religion(en) zu beobachten. Eine Ausnahme bildet der Islam. Er wird weiterhin √ľberwiegend  negativ eingesch√§tzt und gilt f√ľr viele nicht mit der Demokratie vereinbar. Nachdenklich machende und zum Teil beunruhigende Bilanzen, auf die Religionsgemeinschaften und politisch Verantwortliche unbedingt angemessen reagieren m√ľssten!

Man darf auf die weiteren Auswertungen gespannt sein! 

Buch des Monats Dezember 2012: Interreligiöse Friedensbeiträge

Michaela Sohn-Kronthaler / Paul Zahner OFM (Hg.): Pax et Bonum.
Franziskanische Beiträge zu Frieden und interreligiösem Dialog.
Theologie im kulturellen Dialog, Band 23.
Innsbruck ‚ÄďWien 2012, 216 S., Abb.,  Personenregister
— ISBN 978-3-7022-3187-3

Ausf√ľhrliche Rezension: hier

Der vorliegende Band ist das Ergebnis eines intensiven Diskurses der Franziskaner mit den Friedensintentionen ihres Gr√ľnders. Leitmotiv insgesamt bildet die von Franziskus unternommene Reise zum Sultan Malek al-Kamel von √Ągypten im Jahre 1219, deren √§u√üerlicher Misserfolg dennoch eine interreligi√∂se Offenheit des Franziskanerordens initiierte, die sich kreativ und konsequent bis in die Gegenwart hin auswirkt.

Bei Lesen  sowohl der historisch bezogenen wie der gegenw√§rtig aktuellen Beitr√§ge sp√ľrt man: Der Geist des Hl. Franz motiviert die AutorInnen, einen Religionsgrenzen √ľberschreitenden Frieden weiter zu tragen und gesellschaftliche Konflikte nicht zu √ľberspielen. Das Buch macht Mut, angesichts aller Glaubensanspr√ľche und Vorurteile die interreligi√∂se Begegnung freundschaftlich zu f√∂rdern und die Friedenskr√§fte aller Religionen wirksam werden zu lassen.

Reinhard Kirste

Rz-Sohn-Kronthaler-Franziskus, 30.11.12

Islam-Orientierung f√ľr Jugendliche und Erwachsene – ohne Vorurteile

Lamya Kaddor / Rabeya M√ľller (Illustrationen: Alexandra Klobouk):
Der Islam. F√ľr Kinder und Erwachsene.
M√ľnchen: C.H. Beck 2012. 175 S., Abb.,
Anhang mit Literaturhinweisen, Register und Verzeichnis der Koranstellen
— ISBN 978-3-406-64016-2 —

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

Kurzrezension
Der Islam ist ein Dauerthema in Deutschland. Oft werden jedoch Halbwissen und Vorurteile zu einer polemischen Brisanz gemischt, der argumentativ schwer beizukommen ist. Die beiden Autorinnen bem√ľhen sich seit Jahren kompetent, dem ein unverstelltes, ehrliches Bild vom Islam entgegenzusetzen.

Die Autorinnen repr√§sentieren nicht den Islam, sondern ihre Sicht auf ihre Religion. Diese ist von einem dialogoffenen Glaubeb gepr√§gt. Sie belegen dies mit der aktualisierenden Interpretation vieler Koranzitate und scheuen auch nicht die bristanten Themen wieStellung der Frau im Islam, Ehrenmord, islamischer Fundamentalismus ehr Terrrorismus. So scheint ein Verst√§ndnis des Islam auf, der nicht die gro√üen Schlagzeilen bringt, aber daf√ľr dem interkulturellen Verst√§ndnis dient. Hinzu kommt, dass das Buch in einer leicht zug√§nglichen Sprache geschrieben ist. Allerdings d√ľrfte es vom Duktus und Stil her weniger f√ľr Kinder als vielmehr f√ľr Jugendliche und nat√ľrlich Erwachsene geeignet sein. Als Sachbuch h√§lt es zum einen wissenschaftlichen Kriterien stand und zum andern ist es eine Lekt√ľre, die nicht langweilt.¬†

Reinhard Kirste

¬†Rz-Kaddor-M√ľller-Islam, 14.09.12

Weltreligion Christentum Рökumenisches Lernen in der Oberstufe

Werner Trutwin: Weltreligionen ‚Äď Christentum. Arbeitsb√ľcher Sekundarstufe II.
Religion ‚Äď Ethik ‚Äď Philosophie.
M√ľnchen: Bayerischer Schulbuch Verlag (Patmos) 2012, 192 S. Abb. — ISBN 978-3-7627-0433-1
V√∂llige Neubearbeitung des bisherigen Heftes, das 1999 im Patmos-Verlag D√ľsseldorf erschien.

Mit diesem Band √ľber die Vielfalt des Christentums ist nun die neubearbeitete Reihe f√ľr die Sekundarstufe II ‚ÄěWeltreligionen‚Äú abgeschlossen.
Die bisherige B√§nde ‚Äď Judentum,Islam, Hinduismus und Buddhismus ‚Äď sind bereits unter ‚ÄěEin-Sichten‚Äú vorgestellt worden.

Der erfahrene Praktiker und Religionspädagoge Werner Trutwin behält auch bei diesem Arbeitsheft die gewählte Struktur zum Verständnis einer Religion bei, um damit zugleich eine gewisse Vergleichbarkeit im Blick auf die anderen Religionen zu ermöglichen.

Nach Anregungen f√ľr die unterrichtliche Arbeit im Kontext des Religionsunterrichts erw√§hnt Trutwin die ‚Äědirekten‚Äú Bezugsf√§cher ‚ÄěEthik‚Äú bzw. ‚ÄěPraktische Philosophie‚Äú. Er stellt dann einen klar strukturierten Kursunterricht in Religion vor.

Trutwin setzt gerade f√ľr die Schuke auf die positiven konfessions√∂kumenischen Erfahrungen. Zugleich wird die Begegnung der Religionen ‚Äěauf Augenh√∂he‚Äú gerade f√ľr die Zukunft als eine unausweichliche Notwendigkeit postuliert. Damit ist hier ein religions√∂kumenisch offenes ‚ÄěLehrbuch‚Äú entstanden, das man als Christentum-Materialbasis mit seiner didaktischen und methodischen Vielfalt f√ľr den katholischen, evangelischen und islamischen Religionsunterricht nur w√§rmstens empfehlen kann.

                                                                                                                                                    Reinhard Kirste
Rz-Trutwin-Christentum, 03.08.12

Sterben und Tod – ein Handbuch mit umfassender Orientierung

Héctor Wittwer, Daniel Schäfer, Andreas Frewer (Hg.): Sterben und Tod
Geschichte ‚Äď Theorie ‚Äď Ethik. Ein interdisziplin√§res Handbuch.
Unter Mitwirkung von Klaus Feldmann, Udo Tworuschka und Joachim Wittkowski.
Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 2010, IX, 389 S., 3 Tabellen, Personen- und Sachregister ‚Äď
ISBN 978-3-476-02230-1

Zum Kulturen und Zeiten √ľbergreifenden Themenbereich ‚ÄěSterben und Tod‚Äú liegt hier zum ersten Mal im deutschen Sprachraum ein systematisch aufgebautes, geradezu enzyklop√§disches Handbuch vor. Es ist ein wissenschaftlich umfassend aufbereitetes Werk, wie im Anhang die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats und die in ihrem jeweiligen Fachgebiet kompetenten Autoren beweisen. Es ist jedoch noch mehr: Ein Orientierungskompendium f√ľr all jene, die sich mit den Lebensfragen und Verhaltensweisen an der Grenze zum Tod und f√ľr ein m√∂gliches Danach intensiver befassen wollen.¬†

So werden zum Einen¬† wichtiger Schl√ľsselbegriffe und damit entscheidende Fragen aufgegriffen, z.B.: Wie sieht humanes Sterben aus? Wann ist ein Mensch wirklich tot? Welche Auswirkungen haben rechtliche Vorgaben gegen Ende und am Ende des Lebens? Warum gibt es Menschenopfer der unterschiedlichsten Art?

Zum Andern werden hier nicht nur die religi√∂s-kulturellen, medizinischen, psychologischen, ethnischen Zusammenh√§nge sowie der rasante Fortschritt in der Medizintechnik angesprochen, sondern auch die Ver√§nderung der Umgangsweisen mit Sterben und Tod zwischen Tabuisierung, Verdr√§ngung aus der √Ėffentlichkeit und Wiederaufbrechen einer neuen Sterbe- und Friedhofskultur.

Ausf√ľhrliche Rezension: hier

 

Religion und Gewalt als Thema des Unterrichts

Bundeszentrale f√ľr politische Bildung (bpb Hg.): Religion und Gewalt. Themenbl√§tter im Unterricht Nr. 17, Fr√ľhjahr 2002, 10 S.¬†

Ank√ľndigungstext der bpb: “Die gro√üen Religionen wurden zu allen Zeiten zum Guten gebraucht und zum Schlechten missbraucht: Am Beispiel des Nahost-Konfliktes k√∂nnen diese Zusammenh√§nge verdeutlicht werden.”
Die hier vorgestellten Arbeitsblätter bieten Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, anhand ausgewählter Beispielaufgaben den Themenschwerpunkt Nahostkonflikt im Unterricht behandeln zu können.
Zu Beginn erfolgt eine kurze Charakterisierung der verschiedenen Weltreligionen bez√ľglich ihrer vermeintlichen Universalanspr√ľche. Im Anschluss findet ein kurzer geschichtlicher Abriss sowohl des Christentums als auch des Islam statt, in welchem wichtige Jahreszahlen und Begebenheiten genannt werden.

Die Definition des Begriffes Fundamentalistschlie√üt daran an und f√ľhrt zur ersten Arbeitsaufgabe. Es werden viele Fakten zum bestehenden Konflikt zwischen Israel und Pal√§stina in loser Reihenfolge aufgef√ľhrt. Diese sollen von den Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern nach ihrer subjektiven, respektive objektiven Aussagekraft in zwei entsprechenden Spalten geordnet werden. Unter Ber√ľcksichtigung dieser Aspekte soll dann ein Rollenspiel stattfinden, in welchem die beiden Konfliktparteien mit den jeweils f√ľr sie passenden Argumenten diskutieren k√∂nnen.
Die Problematik dieser Aufgabenstellungwird deutlich, wenn man sich vor Augen f√ľhrt, wie lange der Nahostkonflikt eigentlich schon schwelt und wie verschachtelt die Situation sich darstellt. Anhand einiger Stichpunkte kann der immensen Tragkraft und Hartn√§ckigkeit der realen Auseinandersetzung zwischen Israelis und Pal√§stinensern n√§mlich nicht ad√§quat Rechnung getragen werden. Zu differenziert fallen bei n√§herer Betrachtung die Positionen der beiden streitenden Parteien aus, als dass ein ordentlicher Zugang nur anhand einer Arbeitsaufgabe ohne konkretes Hintergrundwissen erfolgen k√∂nnte. Daher ist es unabdingbar, im Unterricht zun√§chst eine Einf√ľhrung in das Thema Nahostkonfliktabzuhalten. Ohne eine ungef√§hre Kenntnis der Standpunkte beider Parteien d√ľrfte es den Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern schwerfallen, die auf dem Arbeitsblatt genannten Argumente nachvollziehen oder gar zuordnen zu k√∂nnen.
Es folgt das Gedicht ‚ÄěNur‚Äú des deutschen Schriftstellers und Journalisten Eugen Roth (1895-1976). Zu diesem gesellt sich eine Karikatur, welche von den Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern nachfolgend unter anderem auf ihre Intention untersucht werden soll.
Die letzte Aufgabe des Arbeitsblattesmarkiert eine Auseinandersetzung mit dem Prinzip der ‚ÄěGoldenen Regel‚Äú. Diese taucht, unterschiedlich formuliert, in allen Weltreligionen auf. Es gilt herauszufinden, welche dieser Formulierungen am sinnvollsten erscheint und die Entscheidung dann auch zu er√∂rtern.
Die Aufgabenstellung n√∂tigt in diesem Fall keine grundlegenden Kenntnisse ab, sondern fordert von den Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern vielmehr eine intuitive Wahrnehmung. Indem sie darstellen, warum sie sich f√ľr diese oder jene Version der goldenen Regel entschieden haben, bereiten sie den Boden f√ľr eine daran anschlie√üende Diskussion rund um die sozialen und ethischen Prinzipien der entsprechenden Religion. Die Entscheidung soll dabei durchaus auf Grundlage pers√∂nlicher Erfahrungen erfolgen, da sich die Kinder und Jugendlichen auf diese Weise selbst einen Zugang zur Thematik legen k√∂nnen.
Zusammenfassend betrachtet f√§llt die Qualit√§t dieser Themenbl√§tter ‚Äědurchwachsen‚Äú aus. Die geschichtlichen Abrisse von Christentum und Islam geben ein zu sehr reduziertes Bild, um das zu behandelnde Thema zu vertiefen. Es f√§llt au√üerdem schwer, eine Beziehung zwischen den beiden Themenkomplexen Nahostkonflikt und ‚ÄěGoldene Regel‚Äú herzustellen. Die Zusammenstellung erscheint ohne Vorkenntnisse etwas willk√ľrlich. Somit k√∂nnen die gestellten Aufgaben nicht von vornherein als eine Einheit behandelt werden. Das Arbeitsblatt sollte erst herangezogen werden, wenn die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler bereits mit der Geschichte des Nahostkonfliktes vertraut gemacht wurden.
Die ‚ÄěGoldene Regel‚Äú hingegen erscheint als generell gute Hinf√ľhrung zu einer Diskussion im religi√∂sen oder ethischen Kontext. Doch auch zur Vertiefung kann sie dienen, indem man, beispielsweise den Nahostkonflikt, auf ein etwaiges Vorhandensein des in der Regel aufgestellten Prinzips untersucht.
Sascha Göddenhoff
Im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund (SoSe 2012):
‚ÄěTheorie und Praxis der Religionen bei Krieg und Frieden‚Äú
Rz-bpb-Krieg-Frieden-Göddenhoff, 21.05.12